JPG-Grafik - 25,22 KB JPG-Grafik - 16,52 KB Freedom Arms Shoot
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VISIER SPECIAL Heft Nr. 20 / 2000 | MAGNUM - KURZWAFFEN

GROSSE FREIHEIT NR. 454

Nein, nicht Amerika, sondern Bayern lieferte vor einigen Jahren den Anstoß zu einem neuen spektakulären Wettkampf, dem Freedom Arms Shoot. Um 1996 diskutierten einige begeisterte Großkaliber-Schützen halb im Scherz die Frage, was denn nun eigentlich als "Großkaliber" und "Magnum" zu bezeichnen sei. Dabei einigte man sich auf die Definition, dass dies nur auf ein Kaliber zutrifft: .454 Casull.

Einmal dabei, richtete man gleich einen passenden Wettkampf aus - die Geburtsstunde des "Casull-Cup", der 1998 in "Freedom Arms Shoot" umbenannt wurde. Denn die Teilnehmer schossen nur mit den edlen Single-Action-Revolvern aus Wyoming - seinerzeit befanden sich Modelle wie Taurus Raging Bull, Ruger Super Redhawk KSRH 7454 oder Uberti Tornado allenfalls im Planungsstadium.

Um der Sache vom Start weg die richtige Würze zu geben und sie nicht durch gewissenlos herunterlaborierte Patronen zu verwässern, setzte die Ausschreibung die Mindestenergie auch gleich auf vernünftige 2000 Joule fest.

Damit stand die Definition des Major-Faktors fest, wie er seitdem bei dieser Disziplin gilt. Zum ersten Wettkampf 1996 traf sich in Traunstein ein Häuflein Unerschrockener, um bei minus 15 Grad und tiefem Schnee den ersten Sieger zu ermitteln. Franz Meidl hieß er, kämpfte sich mit einer Leihwaffe und Eiswasser in den durchweichten Schuhen durch das Finale und schaltete im Endkampf eiskalt den Favoriten aus.

Sein Können bewies er auch anderswo: 1999 errang er den Titel des Deutschen Meisters in der DSB-Disziplin "Zentralfeuer .44 Magnum" (heute als "Gebrauchsrevolver" bekannt).

Die guten Leistungen sowie die professionelle Wettkampf-Gestaltung sprachen sich herum. Schon 1997 hatten sich die Teilnehmerzahlen mehr als verdoppelt, und erstmals schossen auch Ladies in der eigens geschaffenen Damenklasse mit. Die Frauen können mit Waffen in .357 Magnum antreten, dürfen aber natürlich auch zu Revolvern in dickeren Kalibern greifen. Die Mindestenergie muss 1000 Joule betragen. Dies macht den Frauen anscheinend Spaß. Die Zahl der Teilnehmerinnen stieg permanent: Heute hat der Freedom Arms Shoot eine Damenklasse, von der andere Wettkämpfe nur träumen können.

Die Erstplazierten von 1997 hießen Monika Heilmaier aus Meidlsdorf und Robert Gray aus Genf. Der Sieg des Schweizers machte den Wettkampf über Deutschland hinaus bekannt und sorgte dafür, dass er sich in ein internationales Match wandelte:

Weltklasseschütze Mickey Fowler aus den USA1998 kam der mehrmalige Bianchi-Cup-Sieger und Weltklasseschütze Mickey Fowler aus den USA nach Traunstein. Allerdings musste Fowler wie alle anderen Teilnehmer auch eine besondere Hürde nehmen - das Wetter. Ein Schütze formulierte es später so:
"Es gab einige wenige glückliche Momente, in denen es normal regnete."

In der restlichen Zeit schüttete es sintflutartig, so dass die aufgestellten Zelte völlig untergingen. Doch wer einen Revolver .454 Casull meistern kann, der wird auch mit Regen und Schnee fertig: Es wurden Top-Ergebnisse geschossen, und Fowler kam mehr als einmal in Bedrängnis, ehe er sich im Endkampf gegen Sigi Heinrich durchsetzen konnte.
Die deutsche Top-Schützin Lemis Riegel aus Much gewann die Damenklasse. Und die neu eingerichtete Minor-Klasse ging an Karl Herz. Das Wort Minor muß man aber anders verstehen als beim IPSC - fasst der Freedom Arms Shoot als einziger Wettkampf der Welt da doch "Mäusegewehr"-Kaliber wie .50 AE oder .44 Magnum zusammen

1999 rieben sich die mit dicken Jacken und Stiefeln angereisten Schützen die Augen - statt dem normalen "Casull-Klima" gab es ein Bilderbuchwetter. Und es ging ein neuer Stern am Großkaliber-Himmel auf: Die ersten .475 Linebaugh-Revolver traten in der Major-Klasse an. Vor allen Dingen aber stiegen die Leistungen auf Weltklasseniveau.

Gleich mehrere Schützen schossen Scheiben mit 45 von 50 möglichen Ringen. Wohlgemerkt: Bei einem Zeitlimit von 30 Sekunden pro Trommel, was angesichts des enormen Rückschlags der Waffen sicher nicht großzügig bemessen ist.
Sigi Heinrich hatte in der Vorrunde die Oberhand über Mickey Fowler behalten und kam als an Nr. 1 Gesetzter ins Finale. Trotzdem bewies Fowler wieder seine Klasse.

Finalschiessen Magnum CupAuf dem Weg zum Sieg schaffte er erstmals überhaupt eine 50er Scheibe sowie zwei nahezu perfekte Scheiben. Die einzelnen Duelle fielen so knapp aus, dass die Auswerter mehrfach Innenzehner mit Schusslochprüfern auszählen mussten. Und die hohe Leistungsdichte verdeutlicht der Umstand, dass gleich vier Deutsche Meister von DSB und BDMP in der Spitzengruppe mitschossen.
         
Der große Reiz dieses Finalschießens besteht darin, dass die Teilnehmer da "Mann gegen Mann" (respektive Mann gegen Frau) schießen. Und das bringt eine völlig neue, bislang kaum erkannte Qualität in den Schießsport. Man muß sich gegen einen direkten Gegner durchsetzen. Neben Zielsicherheit zählen nunmehr auch Nervenkraft, Wille und Durchsetzungsvermögen. Dem Druck durch die Zuschauer gilt es ebenfalls Stand zu halten.

Wenn dann die Schützen zur Höchstform auflaufen und sich hochklassige Zweikämpfe liefern, sieht man großen Schießsport. Die Meldungen für den 2000er Wettkampf lassen ein noch stärkeres Feld erwarten. Die Sieger von 1999 - Mickey Fowler (Major), Olga Kirner (Damen) und Dr.Jürgen Spahr (Minor) - müssen sich warm anziehen, wollen sie ihre Titel verteidigen.

Neben den sportlichen Top-Leistungen hat sich der Freedom Arms Shoot noch andere Aufgaben auf die Fahnen geschrieben: Den Schießsport durch neue Ideen zu bereichern und die Wettkämpfe für Damen weiter zu fördern. Von wegen Macho-Sport, Frauen dürfen selbstverständlich auch bei entsprechender Punktzahl im Finale zusammen mit den Männern antreten. Es kam auch schon vor, dass Frauen besser abschnitten als ihre Männer.

Und da sich die Veranstaltung längst schon zu einer Art Familienfest gemausert hat, wird in diesem Jahr erstmals ein völlig neuartiger Team-Wettkampf als Neben-Match ins Leben gerufen. Gemischte Teams aus einer "Lady" und einem "Cowboy" (Damenwahl) werden zusammen zwei Papierscheiben auf 15 Meter beschießen. Nur die schwächere Scheibe wird nach Ablauf der festgesetzten drei Minuten zählen.

Hier muss man nicht nur über eine Top-Reaktion, sondern auch über Teamgeist verfügen. Der Erfolg winkt nur, wenn man sich abstimmt und dem Partner hilft. Dieses Match unterscheidet sich allein schon dadurch von allen anderen Mannschafts-Wettbewerben, dass beide gleichzeitig auf einen Scheibenkomplex schießen.          
Zudem warten noch einige Raffinessen. Die obere Scheibe etwa hängt an einem Band. Wenn ein gezielter Schuss dieses durchtrennt, fällt die obere Scheibe auf die untere. Jetzt kann man mit einem Schuss beide Ziele durchlöchern.

Bei Redaktionsschluss hatten sich bereits Schützen aus acht Nationen angemeldet. Die Veranstalter erwarten am 28. Oktober 2000 den Chef von Freedom Arms, Bob Baker, ebenso wie die deutschen FA-Vertreter. Und wenn Sie dies lesen, wird man in Traunstein wieder mit viel Spaß und Erfolg Magnum geschossen haben.

21.10.2007 - 19:23:31 von admin